Timo Horl hat gemeinsam mit seinem Vater Otmar die Freiburger Firma „Horl 1993“ gegründet. Was 2016 als Start-up begann, verkauft heute Rollschleifer in die ganze Welt und wurde für viele zum Synonym fürs Messerschärfen. Ein Gespräch über große Träume und Kundenwünsche.
„Unser Unternehmen befindet sich permanent im Wandel. Das bringt es mit sich, wenn man so schnell wächst wie wir. Wir haben uns von einem Zweimannbetrieb innerhalb weniger Jahre zu einem Unternehmen mit 70 Köpfen entwickelt. Da passiert vieles auf einmal. Am Anfang tut man einfach, was nötig ist. Aber irgendwann kann man nicht mehr nur intuitiv handeln und entscheiden. Die Komplexität steigt mit der Anzahl der Mitarbeitenden. Dann braucht es eine Struktur. Das gilt auch für mich: Ich teile mir die Geschäftsführung mit meiner Frau Marjorie. Sie macht das Tagesgeschäft. Ich kümmere mich um die Produktentwicklung sowie den Markenaufbau.
Was meine Haltung prägt, ist ein Zitat, das ich mal aufgeschnappt habe: „How big would you dream if you knew you couldn’t fail?“ („Wovon würdest du träumen, wenn du wüsstest, du könntest nicht scheitern?“). Für mich habe ich das so übersetzt: Was ist das Bestmögliche, das wir uns vorstellen können, wenn es keinerlei Hindernisse gäbe? Es ist wie ein Leitsatz – wenn keine Einschränkungen existierten, wenn man nicht scheitern könnte, was wäre dann alles möglich? Wenn man mit einer solchen Haltung am Tisch sitzt, entsteht Raum für großartige Ideen. Dann nehmen wir diese Ansätze zum Ziel und schauen, wie nah kommen wir ran, wenn wir die realistischen Bedingungen mitdenken.
„Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Henry Ford
Diese Einstellung geht Hand in Hand mit einem anderen Zitat, das mir immer wieder durch den Kopf geht. Es stammt von Henry Ford: „Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde. “ Niemand hätte sich ein Auto gewünscht, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass so etwas möglich ist. Der Punkt ist, der Kunde soll es sich auch gar nicht vorstellen können. Das ist unser Part. Wir wollen die Leute nicht nur zufriedenstellen, sondern sie begeistern. Und du kannst Menschen nur begeistern, wenn du ihre Erwartungen übertriffst.
Ein Beispiel ist unsere Neuentwicklung, die wir Ende letzten Jahres auf den Markt gebracht haben. Das war völlig unerwartet, man dachte, wir bringen vielleicht einen Scherenschleifer. Aber wir haben eine Schere entwickelt, die man mit unseren Rollschleifern schärfen kann. Und damit ist uns genau das gelungen: Wenn du das Bestmögliche planst und dich davon frei machst, was von dir erwartet wird, dann überraschst du die Leute wirklich.“
Protokoll: Julia Donáth-Kneer
Heute gehört der Horl Rollschleifer zum Standardarsenal in vielen Küchen weltweit. Horl-Produkte sind in 45 Ländern verfügbar und werden von mehr als 1500 Retailern im stationären Handel angeboten. Nach eigenen Angaben hat Horl Ende 2024 mehr als eine Million Messerschleifer produziert, die Exportquote lag im vergangenen Jahr bei 70 Prozent. Zum 1. April übernimmt Horl den Montagebereich des Lasertechnikspezialisten Adam aus Todtnau inklusiver aller 15 Mitarbeitenden. Damit wächst die Belegschaft um 20 Prozent. Momentan sitzt Horl in Freiburg an mehreren Standorten, ein Grundstück in Lehen ist bereits erworben. Hier soll in den kommenden Jahren eine Art Horl-Campus entstehen.